Ein Leichtathletik-Leben – Erich Bremicker wird 85

07.04.2017 09:17 von Dr. U. Becker

Erich Bremicker, weit über die Leichtathletik-Szene hinaus ein Begriff, feiert an diesem Samstag, dem 8. April in Ludwigshafen in bester körperlicher und geistiger Verfassung seinen 85. Geburtstag.

 

Erich Bremicker hat in seinem Geburtsort Radevormwald (bei Wuppertal) zunächst Fußball gespielt und wurde 1948 von dem damaligen deutschen Meister im Diskuswerfen, Heinz Rosendahl, dem Vater von Heide Ecker-Rosendahl, überredet, Leichtathletik zu betreiben. Schon 1949 bei den ersten deutschen Nachkriegsjugendmeisterschaften wurde Bremicker Meister im Diskuswerfen. 1951 wurde er Juniorenmeister im Hochsprung und Zweiter im Diskuswerfen, 1952 erneut deutscher Juniorenmeister im Hochsprung, dazu noch im Diskuswerfen und 1953 bei den ersten und einzigen gesamtdeutschen Juniorenmeisterschaften in Balingen jeweils Dritter in diesen beiden Disziplinen. Insgesamt nahm Bremicker an sechs Länderkämpfen teil, war siebenunddreißigmal Landesmeister in Rheinland-Pfalz, achtmal Regionalmeister.

Nach einer Lehre als Wollstoffmacher kam er 1954 mit dem Studium an der Textilschule in Lambrecht in die Pfalz. Nach dem Examen und einem kurzen Zwischenspiel in Göttingen wurde Erich Bremicker in Ludwigshafen 1959 heimisch, sportlich beim ABC Ludwigshafen, familiär mit seiner Frau Hannelore und seinem Sohn Erik und beruflich bei der Stadtverwaltung Ludwigshafen wo er bis zum Abteilungsleiter für Beschaffungswesen aufstieg und bis 1995 mit großer Umsicht tätig war.

Erich Bremicker gehört zu jenen Athleten, die sich auch nach Abschluss ihrer Laufbahn mit ganzer Kraft dem Sport widmen.Als Funktionär wollte er "denen Dank abstatten, die ihm großzügiger Hilfe als jungem Menschen die Chance gaben, Leistungssport zu betreiben". Er wurde er ein Sportfunktionär im besten Sinne, nämlich einer, der selbstlos dafür sorgt, dass der Sport funktioniert. Ohne ihn gäbe es die Leichtathletik-Halle in Ludwigshafen sicherlich nicht.

Hier nur einige Stationen seiner langen Funktionärslaufbahn, die eigentlich für drei bis vier Funktionärsleben ausreichen:

  • 1960 – 1966 LVP Lehrwart
  • 1968 – 1970 LVP Sportwart
  • ab 1971 bis 2000 Vorsitzender des LVP
  • Sportwart des DLV
  • Sprecher der Landesverbände
  • Sportdirektor von Welt- und Europameisterschaften
  • Technische Kommission der des internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF)
  • Vizepräsident des Sportbundes Pfalz, zuständig für den Breitensport
  • Mitglied im Komitee „Pokal der Freundschaft“, denn als Kriegsgeneration war ihm die Idee des Völkerverbindung ein besonderes Anliegen;
  • zuletzt: Anti-Doping-Beauftragter des LVP.

Bei so langer ehrenamtlicher Tätigkeit in vielen Positionen bleiben hohe und höchste Ehrungen als Dank und Anerkennung nicht aus. Neben allen pfälzischen und rheinland-pfälzischen Ehrungen sind ihm hier der „Carl Diem Schild“ und der Hans Braun-Preis des Deutsche Leichtathletik-Verbandes wohl die wichtigsten. Höhepunkt war  die Verleihung des DLV-Ehrenrings, eine Auszeichnung, die auf 10 lebende Personen beschränkt ist.

Als Erich Bremicker am 19. März 2000 in Dahn sein Präsidentenamt der Pfälzer Leichtathleten nach 29 Jahren in jüngere Hände übergab, fand Theo Rous, der DLV-Vizepräsident und langjährige Weggefährte von Erich Bremicker in seinem Festvortrag bewegende, anerkennende und launige Worte des Rückblicks und des Dankes. Hier zwei Auszüge aus seiner mit viel Beifall bedachten Ansprache:

„Wer 30 Jahre lang Vorsitzender – und vorher schon (seit 1960) Sportwart und Lehrwart eines Landesverbandes, 15 Jahre Wettkampfwart im Präsidium des DLV war, dabei Interessen von Athleten, Trainern und Funktionären innerhalb und außerhalb des Sportplatzes unter einen Hut bringen mußte, was bei Leichtathleten der Quadratur des Kreises gleichkommt, wer (als Mitglied der technischen Kommission) im Haifischbecken des internationalen Leichtathletikverbandes, der IAAF, verantwortlich gearbeitet hat und dabei ein anständiger Mensch geblieben ist, wer als Vorsitzender die Arbeitsgemeinschaft von drei selbstbewußten und eigenwilligen Landesverbänden leitet – drei in einem einzigen Bundesland, wer hat das schon -, wer als Koordinator und Moderator für das unfallfreie Zusammenarbeiten zwischen Landesverbandsvorsitzenden und DLV-Präsidium, seit der Vertreibung der Menschheit aus dem Paradies zwei natürlichen Feinden, mit Erfolg tätig ist, ohne nennenswerte oder zumindest erkennbare psychische Schäden davonzutragen, der muß – neben vielen fachlichen Kompetenzen – in außergewöhnlicher Weise die Begabung besitzen, auf dem Boden eines festen eigenen Standpunktes Gegensätze auszuhalten, auszugleichen und auseinanderstrebende Interessen zusammenführen zu können.

[...]

Mein endgültiges Urteil über Erich Bremicker steht schon hier und heute unverrückbar fest: Ich kenne wenige Menschen, die an unprätentiöser Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit gegenüber jedermann den Erich Bremicker übertreffen könnten. Ein vorbildlicher Bürger, einer von denen, die man, gäbe es sie nicht, erfinden müßte, wenn Gemeinwesen und Gemeinschaften – welcher Art auch immer – in unserer Welt Bestand haben sollen.“

Alle Leichtathleten und Sportler in der Pfalz und weit darüber hinaus sind Erich Bremicker zu großem Dank verpflichtet. Voll Anerkennung sehen wir eine große Persönlichkeit, eine unnachahmliche Lebensleistung, einen großen Sportler und Funktionär. Wir gratulieren zu diesem Festtag und wünschen noch viele erfüllte Jahre im Kreise seiner Familie und als nach wie vor begeisterter Leichtathletik-Zuschauer.

Dr. U. Becker

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Hallanzy, Lukas © Iris Hensel
Hallanzy, Lukas © Iris Hensel

 

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